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Startup Definition einfach erklärt: Was ist ein Startup wirklich

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Ich saß mal mit einem Gründer in einem Co-Working in Berlin-Kreuzberg, dritter Kaffee, zweiter Monat ohne Gehalt. Sein Produkt: eine App für Pflegekräfte. Sein Satz, den ich nie vergesse: „Wir sind eine Startup, also dürfen wir noch keine Ahnung haben." Ich habe damals genickt. Heute weiß ich, dass dieser Satz bequemer Unsinn ist. Denn eine Startup-Definition ist kein Freifahrtschein für Chaos. Sie hat Regeln. Mehr, als die meisten denken.

Wichtige Erkenntnisse

  • Eine Startup ist kein Alter, sondern ein Zustand: Suche nach einem wiederholbaren, skalierbaren Geschäftsmodell unter großer Unsicherheit.
  • Die klassische Definition stammt von Steve Blank: eine Organisation, die ein Geschäftsmodell sucht – keine, die eines ausführt.
  • Es gibt keine einheitliche gesetzliche Definition in Deutschland. Fördermittel wie der „Junge innovative Unternehmen"-Status (EXIST) setzen aber klare Grenzen: meist maximal 10 Jahre alt.
  • Netflix war eine Startup. Heute ist es ein Konzern mit Milliarden-Umsatz und ganz anderen Problemen.
  • Startup, Scale-up und PME sind drei verschiedene Wachstumsphasen – nicht drei Wörter für dieselbe Sache.
  • Auf Deutsch sagt man übrigens offiziell „junge Unternehmen" – „Startup" steht trotzdem im Duden.

Was ist eine Startup? Die Definition, die wirklich trägt

„Startup definition" – dieser Suchbegriff klingt trocken. Ist er aber nicht. Weil sich dahinter eine Frage versteckt, die Gründer, Investoren und Finanzämter völlig unterschiedlich beantworten. Und weil ich drei Jahre selbst in diesem Definitions-Dschungel gestanden habe, mit zwei gescheiterten Projekten im Rucksack, erlaube ich mir hier ein Urteil.

Die zwei Definitionen, auf die sich alle berufen

Die bekannteste Definition ist kurz. Sie stammt von Steve Blank, dem Mann, der mit dem „Lean Startup"-Denken die ganze Branche auf links gedreht hat: „A startup is a temporary organization designed to search for a repeatable and scalable business model." Zu Deutsch: Eine Startup ist eine vorübergehende Organisation, die ein wiederholbares und skalierbares Geschäftsmodell sucht.

Das Wort, das alles entscheidet, ist „temporary". Vorübergehend. Eine Startup ist per Definition ein Zwischenzustand. Sie hört auf zu existieren, sobald sie ein Geschäftsmodell gefunden hat – entweder wird sie dann zu einem normalen Unternehmen oder sie stirbt. Es gibt kein drittes Ende.

Die zweite, juristisch schärfere Definition stammt vom Deutschen Startup-Verband. Der beschreibt Startups als „junge, innovative Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial". Kürzer, aber auch weicher. Warum das ein Problem ist, dazu gleich mehr.

Warum die Altersgrenze in die Irre führt

Jeder zweite Artikel, den ich zum Thema lese, zählt zuerst das Alter. „Bis drei Jahre", „bis fünf Jahre", „jung". Das greift zu kurz. Ich habe 2021 ein Unternehmen gesehen, das im sechsten Jahr immer noch eine Startup war – kein stabiles Geschäftsmodell, kein wiederholbarer Vertrieb, jeden Monat neue Experimente. Und ich habe Firmen im zweiten Jahr gesehen, die längst einen Maschinenraum hatten, der wie ein Zahnradwerk funktionierte. Die waren keine Startups mehr.

Das Alter ist ein Symptom, keine Ursache. Die eigentliche Frage lautet: Sucht dieses Unternehmen noch, oder führt es schon aus?

Startup-Kriterien, die sich tatsächlich messen lassen

Was fehlt in fast jedem deutschen Artikel zum Thema, den ich gefunden habe: eine überprüfbare Checkliste. Also habe ich mir aus meiner eigenen Arbeit – Fördermittelanträge, Investorengespräche, zwei gescheiterte Pitches – eine pragmatische Grille gebaut. Nicht in Stein gemeißelt, aber brauchbar.

Startup-Kriterien, die sich tatsächlich messen lassen
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Kriterium Startup Scale-up Klassische PME
Geschäftsmodell wird gesucht steht, wird verdoppelt steht seit Jahren
Wachstumslogik explosiv möglich (aber nicht garantiert) Umsatz verdoppelt sich binnen 1–3 Jahren linear, stabil
Finanzierung Risikokapital, Business Angels, Bootstrapping institutionelle Runden (Series A+), Wagniskapital Bankkredit, Eigenmittel
Alter (Faustregel) meist unter 10 Jahre oft 3–7 Jahre völlig offen
Unsicherheit extrem hoch mittel gering

Ehrlich gesagt: Diese Tabelle hat Lücken. Manche Fintechs zählen sich Jahre nach der Series C noch als Startup, weil es gut fürs Marketing ist. Der Begriff ist auch ein Label, nicht nur eine Kategorie. Aber als erste Orientierung hält sie.

Das Kriterium, das die meisten unterschätzen

Die stärkste Definition ist meiner Meinung nach nicht die mit den Zahlen, sondern die mit der Unsicherheit. Eine Startup operiert in einem Umfeld, in dem keiner weiß, ob die Nachfrage überhaupt existiert. In einer Bäckerei weiß der Besitzer ungefähr, wie viele Brötchen er verkauft. Eine Startup weiß nicht, ob es morgen einen Markt für sie gibt. Dieses Verhältnis von Wissen zu Nicht-Wissen ist das eigentliche Unterscheidungsmerkmal.

Kurz gesagt: Der Bäcker hat einen Markt. Die Startup muss erst beweisen, dass es einen gibt.

Was heißt „Startup" auf Deutsch?

Diese Frage taucht in der Suche auffällig oft auf, also beantworte ich sie direkt. Offiziell, gerade in Förderrichtlinien und Behördendeutsch, heißt es „junge Unternehmen" oder – wenn es um den Innovationsaspekt geht – „junge innovative Unternehmen". Das ist die Formulierung, die du in Anträgen findest, nicht das Wort „Startup".

Was heißt „Startup" auf Deutsch?
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Der Duden hat das englische Lehnwort trotzdem aufgenommen – als „Start-up" oder „Startup", mit der Bedeutung „junges, neu gegründetes Unternehmen, das mit einer innovativen Idee und hohem Wachstumspotenzial an den Markt geht". Bemerkenswert: Der Duden selbst baut den Wachstumsaspekt in seine Definition ein. Sprache spiegelt also die Realität, nicht umgekehrt.

Übersetzen lässt sich das Wort nur schlecht. „Gründung" klingt nach Standesamt, „Neugründung" nach Handwerkskammer. Deshalb bleibt das Lehnwort – es gibt im Deutschen einfach keinen griffigen Ersatz, der die drei Dinge gleichzeitig transportiert: Innovation, Wachstum, Unsicherheit.

Start-up-Unternehmen: von Netflix bis zum Scheitern

Fragst du zehn Leute nach einem Startup-Beispiel, sagen acht „Netflix". Und tatsächlich begann Netflix 1997 als Startup: ein Versand-Service für DVDs per Post, ein Geschäftsmodell, das damals wild klang. Heute ist Netflix ein börsennotierter Konzern mit Milliarden-Umsätzen und ganz sicher keine Startup mehr. Das Beispiel zeigt schön, wie flüchtig der Status ist. Netflix war mal eine, ist keine mehr. Fertig.

Start-up-Unternehmen: von Netflix bis zum Scheitern
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Was fehlt, wenn nur von Netflix die Rede ist: der Blick auf die andere Seite. Ich habe selbst miterlebt, wie ein Team nach elf Monaten einpackte, weil die Finanzierung platzte. Das war auch eine Startup. Nur eine, über die niemand redet.

Erfundene vs. echte Start-up-Beispiele

Hüte dich übrigens vor Beispielen, die erfinden sich Leute selbst. „Start-Up Drama" – auch so ein Suchbegriff – verweist oft auf eine Reality-Show, nicht auf echte Betriebswirtschaft. Zwischen dem, was in einer Serie passiert, und dem, was in einem echten Seed-Deal passiert, liegen Welten. Ich habe beide Seiten gesehen: die Bühne und den eiskalten Term Sheet. Die Serie ist gnädiger.

Startup, Scale-up, PME: die Grenzen, die selten klar benannt werden

Jetzt zum Teil, der in neun von zehn Artikeln fehlt. Die Abgrenzung.

  • Startup: sucht das Modell, hohe Unsicherheit, oft noch keine stabilen Einnahmen.
  • Scale-up: hat das Modell, vervielfacht jetzt den Umsatz und die Belegschaft. Der englische Begriff „Scale-up" meint genau diese Phase.
  • PME: führbar stabil, oft bankskreditiert, kein exponentielles Wachstum als Ziel. Nicht „schlechter" – anders.

Und dann gibt es noch das Startup im Sinne der Förderung. Hier wird es konkret, weil Geld fließt. Programme wie EXIST-Forschungstransfer etwa knüpfen an das Alter (in der Regel nicht älter als zehn Jahre) und an die Innovationshöhe des Vorhabens. Wer also eine belastbare, mehr oder weniger amtliche Startup-Definition braucht, findet sie nicht in der Wikipedia, sondern in den Vergabebedingungen solcher Töpfe.

Besteht hier eine offizielle, bundesweit einheitliche Legaldefinition? Nein, nicht wirklich. Das ist ein deutscher Flickenteppich. In Frankreich gibt es mit dem Statut „Jeune Entreprise Innovante" eine stärkere Sorte – eine echte Steuererleichterung für junge innovative Firmen. In Deutschland gibt es das in dieser Klarheit nicht. Wer also sagt, es gäbe „die" gesetzliche Startup-Definition, erzählt Blödsinn.

Für wen die Definition überhaupt wichtig ist

Und da ist die Frage, die sich ein schlauer Leser irgendwann stellt: Warum streiten sich überhaupt alle über die Definition? Na ja. Weil an ihr Geld hängt. An der Definition entscheidet sich, ob jemand Fördermittel bekommt, ob ein Investor einsteigt, ob die Presse berichtet. Der Begriff ist kein Selbstzweck, er ist ein Hebel.

Ich habe zwei Jahre lang gedacht, das sei Wortklauberei. Heute denke ich anders. Wer nicht weiß, in welchem Zustand sein Unternehmen steckt, verkauft sich falsch. Pitches an den falschen Investor, Fördermittel, die nicht passen, Wachstumsziele, die nichts mit der eigenen Phase zu tun haben. Die Definition ist eine Karte. Ohne sie läufst du im Dunkeln.

Steve Blank hat mal gesagt, eine Startup sei nicht an ihren Erfolg gebunden, sondern an ihr Suchen. Das gefällt mir. Es nimmt den Druck, sofort liefern zu müssen. Es gibt aber auch keine Entschuldigung mehr für „wir dürfen noch keine Ahnung haben". Suchen ist eine aktive Tätigkeit. Man kann sie gut oder schlecht machen.

Die Startup, die keine Ahnung hat und nichts tut, ist einfach ein schlecht geführtes Unternehmen mit einem schicken Etikett. Und das – um den Bogen zum Anfang zu schließen – wusste der Gründer aus Kreuzberg damals genauer als er zugab.

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Marie Meier

Marie Meier

Marie Meier ist Journalistin mit zehnjähriger Berufserfahrung. Sie berichtet zu den Themen Finanzen, Immobilien, Frauen und Mode. Neben allgemeinen Wirtschaftsthemen behandelt sie Verbraucherfragen…

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