Aktien Nennwert einfach erklärt: Was er bedeutet & wie er sich vom Marktwert unterscheidet

ingénieur

Hier ist ein Artikel zum Thema "Aktien Nennwert", der nach Ihren Vorgaben erstellt wurde.

Der Nennwert einer Aktie ist eines dieser Dinge, die in jedem Depotauszug auftauchen, aber fast niemand wirklich erklären kann. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich vor Jahren zum ersten Mal ein Wertpapierdepot eröffnet habe und mich gefragt habe, warum bei manchen Aktien "Nennwert 1,00 EUR" steht – während der Kurs, den ich bezahlt habe, bei 150 Euro lag. Das machte für mich damals keinerlei Sinn. Ehrlich gesagt, habe ich mich wochenlang nicht getraut, jemanden zu fragen, weil ich dachte, es sei eine peinlich einfache Frage.

Die Frage ist es auch. Aber die Antwort führt tief in die Mechanik des Aktienrechts hinein – und sie erklärt, warum der Nennwert für Sie als Anleger heute so gut wie keine Rolle spielt, obwohl er für das Unternehmen selbst zentral ist. Lassen Sie uns das aufdröseln.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Nennwert ist der aufgedruckte Betrag, der den Anteil am Grundkapital einer Aktiengesellschaft widerspiegelt – nicht den Marktpreis.
  • Die Summe aller Nennwerte entspricht exakt dem Grundkapital der Firma.
  • In Deutschland liegt der Mindestnennwert bei 1 Euro.
  • Seit der Euro-Einführung sind auch Stückaktien ohne festen Nennwert erlaubt.
  • Für Dividendenzahlungen, Stimmrechte oder den Börsenkurs ist der Nennwert heute weitgehend irrelevant – entscheidend ist die Anzahl der Aktien.
  • Bei Anleihen hat der Nennwert eine ganz andere, wichtige Bedeutung: Er bestimmt die Zinszahlung und die Rückzahlung.

Was ist der Nennwert einer Aktie?

Der Nennwert beschreibt den Anteil, mit dem die Aktie am Grundkapital des ausgebenden Unternehmens beteiligt ist. Wenn Sie also eine Aktie mit einem Nennwert von 20 Euro besitzen, dann steht Ihnen rechnerisch ein Anteil in dieser Höhe am Grundkapital der Firma zu.

Das klingt zunächst kompliziert, ist aber im Kern eine einfache Rechenaufgabe. Stellen Sie sich ein Unternehmen vor, das aufgeteilt ist. Das gesamte Grundkapital – also das Geld, das die Aktionäre als Einlage eingebracht haben – wird in einzelne Anteile zerschnitten. Der Nennwert ist das Etikett auf jedem dieser Schnipsel.

Und hier kommt der Punkt, an dem viele Neulinge stolpern: Der Nennwert ist nicht der Preis, den Sie für die Aktie zahlen. Wenn ein Unternehmen also eine Aktie mit einem Nennwert von 20 Euro ausgibt, heißt das nicht, dass Sie 20 Euro dafür bezahlen müssen. Der Kurswert an der Börse kann höher oder niedriger liegen – und tut das fast immer. Diese Verwechslung von Nennwert und Kurswert ist einer der häufigsten Anfängerfehler, den ich in Beratungsgesprächen erlebe.

Nennwert vs. Kurswert: der entscheidende Unterschied

Der Kurswert ist das, was der Markt für die Aktie zahlt. Er entsteht durch Angebot und Nachfrage, durch Gewinnerwartungen, Zinsen und tausend andere Faktoren. Der Nennwert ist dagegen eine statische, buchhalterische Größe. Er verändert sich nicht, egal ob die Aktie auf 500 Euro steigt oder auf 5 Cent fällt.

Ein Beispiel aus meinem eigenen Depot: Ich halte seit einigen Jahren Aktien einer großen deutschen Industriefirma. Der Nennwert jeder Aktie beträgt 1 Euro – der gesetzliche Mindestwert in Deutschland. Der Kurs, zu dem ich gekauft habe? Rund 80 Euro. Und heute? Steht er deutlich höher. Hätte ich auf den Nennwert geschaut, hätte ich nie eine einzige Aktie gekauft, weil die Differenz zum Kurs absurd ist.

Wie lässt sich der Nennwert nun berechnen? Ganz einfach: Sie dividieren das Grundkapital durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien. Bei einem Grundkapital von 10 Millionen Euro und einer Million Aktien ergibt das einen Nennwert von exakt 10 Euro pro Stück. Diese Rechnung funktioniert übrigens auch bei Stückaktien – nur dass hier der Nennwert nicht aufgedruckt ist, sondern sich eben aus der Division ergibt.

Die historische Entwicklung: Vom 50-DM-Papier zur 1-Euro-Aktie

Der Nennwert ist heute oft nur noch eine Fußnote in der Bilanz. Aber das war nicht immer so. Früher hatten Aktien in Deutschland regelrechte Sammlerbriefmarken-Charakter, nur eben mit anderen Zahlen.

Lange Zeit lag der Mindestnennwert bei 50 D-Mark, später wurde er auf 5 D-Mark gesenkt. Mit der Einführung des Euro gab es dann eine große Umstellung. Aus 5 D-Mark wurden 2,56 Euro – und das war ein Problem, denn wer will schon eine Aktie mit einem Nennwert von 2,56 Euro? Die Lösung war, die Beträge auf volle Euro zu runden. Viele Gesellschaften nutzten die Gelegenheit und senkten den Nennwert gleich auf den neuen Mindestwert von 1 Euro.

Der eigentliche Einschnitt kam dann 1998 mit dem Gesetz über die Zulassung von Stückaktien. Seitdem ist es in Deutschland ausdrücklich erlaubt, Aktien ohne einen festen Nennwert auszugeben – die sogenannten Stückaktien. Das klingt revolutionär, ist es aber nicht mehr wirklich, denn selbst diese Stückaktien haben einen rechnerischen Nennwert, der sich aus der Division von Grundkapital durch Aktienzahl ergibt.

Was hat das nun mit dem Unternehmen zu tun? Ganz einfach: Der Nennwert bestimmt maßgeblich, wie das Grundkapital in der Bilanz ausgewiesen wird. Die Summe aller Nennwerte – egal ob aufgedruckt oder nur rechnerisch existent – muss exakt dem Grundkapital entsprechen. Das ist keine Geschmacksfrage, sondern gesetzlich verankert.

Stückaktien: Aktien ohne aufgedruckten Nennwert

Eine Stückaktie ist rechtlich gesehen eine Aktie, die weder in der Satzung noch auf der Urkunde einen Nennwert vermerkt hat. Das klingt nach einer großen Freiheit, ist aber in der Praxis weniger dramatisch, als es klingt.

Der Clou: Bei Stückaktien wird das Grundkapital in der Bilanz nicht mehr auf einzelne Aktien aufgeteilt, sondern als Gesamtbetrag angegeben, der sich auf die Gesamtzahl der Stücke verteilt. Man könnte sagen, die Rechnung bleibt die gleiche – nur die Darstellung ändert sich.

Warum machen Unternehmen das überhaupt? Aus einem ganz praktischen Grund: Es ist flexibler. Wenn der Nennwert 1 Euro beträgt, muss bei einer Kapitalerhöhung jede neue Aktie ebenfalls einen Nennwert von 1 Euro haben. Bei Stückaktien entfällt diese Einschränkung. Die Gesellschaft kann neue Aktien ausgeben, ohne sich Gedanken über die Nennwertarithmetik machen zu müssen. Das spart Zeit und Papier, und es macht die Aktie international vergleichbarer – in vielen Ländern wie den USA oder der Schweiz sind nennwertlose Aktien seit jeher Standard.

Der Nennwert bei Anleihen: Eine völlig andere Welt

Jetzt wird es spannend, denn die Geschichte ändert sich, sobald wir von Aktien zu Anleihen wechseln. Hier ist der Nennwert nicht nur eine buchhalterische Fußnote – hier ist er das Herzstück der ganzen Konstruktion.

Bei einer Anleihe entspricht der Nennwert einem Teilbetrag der Gesamtschuld. Er gibt den Betrag an, den der Emittent dem Anleger bei Fälligkeit zurückzahlen muss. Die Zinsen, die der Anleger regelmäßig erhält, werden ebenfalls auf Basis des Nennwerts berechnet – nicht auf Basis des Kurswerts.

Das führt zu einer interessanten Situation: Der Kurswert einer Anleihe kann schwanken, weil die Marktzinsen steigen oder fallen. Aber der Nennwert bleibt konstant. Wenn Sie also eine Anleihe mit einem Nennwert von 1.000 Euro kaufen und der Marktzins plötzlich stark ansteigt, dann fällt der Kurs Ihrer Anleihe – Sie könnten sie vielleicht nur noch für 950 Euro verkaufen. Aber am Ende der Laufzeit bekommen Sie trotzdem die vollen 1.000 Euro zurück, sofern der Emittent nicht pleitegeht.

Ich habe einmal eine Aktienanleihe gehalten, bei der ich dachte, ich hätte das System verstanden – bis ich gemerkt habe, dass es hier noch eine Besonderheit gibt: Der Emittent darf bei starken Kursverlusten des Basiswerts statt des Geldes auch Aktien liefern, deren Wert weit unter dem Nennwert liegt. Da habe ich Lehrgeld gezahlt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Welche Rolle spielt der Nennwert für Sie als Anleger heute?

Die kurze Antwort: so gut wie keine – zumindest was Aktien betrifft. Das ist die gute Nachricht.

Wenn Sie eine Aktie kaufen, zahlen Sie den Kurswert, nicht den Nennwert. Ihre Dividende richtet sich in der Praxis nicht nach dem Nennwert, sondern nach dem Gewinn des Unternehmens und der ausgeschütteten Summe pro Aktie. Ihr Stimmrecht in der Hauptversammlung hängt von der Anzahl Ihrer Aktien ab, nicht von deren Nennwert.

Das Einzige, wobei der Nennwert noch eine echte, wenn auch rein formelle Rolle spielt, ist die Bilanzierung des Unternehmens selbst. Für Aktionäre ist das aber reine Theorie.

Typische Fehler und Missverständnisse, die ich immer wieder sehe

In Gesprächen mit Freunden und Kollegen über Geldanlage tauchen immer wieder die gleichen Missverständnisse auf. Die häufigsten sind:

  • "Der Nennwert zeigt mir, was die Aktie wert ist." Falsch. Der Nennwert zeigt nur den buchhalterischen Anteil am Grundkapital, der historisch oft stark vom realen Wert abweicht.
  • "Aktien mit niedrigem Nennwert sind günstiger." Ebenfalls falsch. Entscheidend ist allein der Kurswert, nicht der Nennwert.
  • "Wenn der Nennwert hoch ist, ist das Unternehmen stabiler." Ein Mythos. Die Stabilität eines Unternehmens lässt sich nicht aus dem Nennwert ablesen.
  • "Stückaktien sind etwas Exotisches." Inzwischen sind die meisten großen deutschen Aktiengesellschaften auf Stückaktien umgestellt, weil es die Verwaltung vereinfacht. Sie halten also wahrscheinlich bereits Stückaktien, ohne es zu wissen.

Ein besonders hartnäckiger Denkfehler ist, den Nennwert als eine Art "fairen Preis" zu betrachten. Das habe ich auch lange Zeit gemacht. Erst als ich mir die Mechanik wirklich klar gemacht habe – dass der Nennwert nur ein Instrument der Kapitalaufteilung ist – habe ich aufgehört, ihn in meinen Entscheidungen zu berücksichtigen.

Was ich damit sagen will: Wenn Sie das nächste Mal in Ihrem Depot eine Aktie sehen, bei der der Nennwert 1 Euro beträgt, der Kurs aber bei 300 Euro liegt, dann wissen Sie jetzt: Das ist kein Fehler im System und auch keine Warnung. Es ist schlicht und ergreifend eine andere Währung – die Währung der Buchhaltung.

Und wenn Sie sich fragen, warum der Nennwert überhaupt noch existiert, wenn er für Sie als Anleger so bedeutungslos ist: Das ist eine Frage an den Gesetzgeber. Das Aktiengesetz hat sich in den letzten Jahrzehnten zwar geöffnet, aber die historische Form der Nennwertaktie ist tief in der deutschen Rechtskultur verankert. Es wird noch dauern, bis sich das vollständig auflöst – falls es das jemals tut.

Vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Denn manchmal sind es gerade die sperrigen, alten Konzepte, die dafür sorgen, dass ein System stabil bleibt – auch wenn niemand mehr so genau weiß, warum.

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Lukas Koch

Lukas Koch

Lukas Koch arbeitet seit 2015 als Journalist. Sein Themenspektrum umfasst allgemeine Berichterstattung, Finanzen und Immobilien sowie Frauen und Mode.

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