Wer nach Lindau kommt, sieht ihn zuerst. Nicht die Altstadt, nicht den Hafen, nicht das Wasser. Sondern diesen weißen Turm mit der grünen Kuppel, der da am Ende der Mole steht, als hätte ihn jemand absichtlich genau dorthin gesetzt, damit jeder Ankommende sofort weiß: Das hier ist ein besonderer Ort.
Ich habe die letzten Jahre damit verbracht, den Bodensee rauf und runter zu fahren, und ich kann Ihnen sagen: Kein Bauwerk an diesem See wird so oft fotografiert und so selten verstanden wie der Leuchtturm Lindau. Die meisten Besucher laufen hin, machen ein Foto, gehen weiter. Was sie verpassen, fange ich jetzt für Sie ein.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Leuchtturm Lindau ist der einzige Leuchtturm Bayerns und gleichzeitig der südlichste Deutschlands.
- Er wurde 1856 in Betrieb genommen und ersetzte den mittelalterlichen Mangturm, der bis dahin als Orientierungsfeuer diente.
- Vom Turm aus sehen Sie bei klarem Wetter drei Länder auf einmal: Deutschland, Österreich und die Schweiz, dahinter die Alpenkette.
- Die Aussichtsplattform liegt auf rund 36 Metern, erreicht werden sie über 139 Stufen.
- Der Turm ist ein aktives Seezeichen, kein reines Museum. Er wird bis heute als Orientierungsfeuer betrieben.
- Direkt daneben wacht der Bayerische Löwe, ein Sandsteinkoloss von rund 50 Tonnen, geschaffen von Johann von Halbig.
Leuchtturm Lindau: das Wichtigste vorab
Fangen wir mit dem Trennschärfsten an, weil hier die meisten Verwechslungen passieren.
Es gibt in Lindau zwei Türme, die beide mit dem Hafen zu tun haben, und Touristen werfen sie ständig durcheinander. Der eine ist der hier besprochene Neue Leuchtturm von 1856, ein richtiges Seezeichen mit Feuer, das bis heute in Betrieb ist. Der andere ist der Mangturm, ein deutlich älterer Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert, der direkt am Ufer in der Altstadt steht. Der Mangturm war früher selbst ein Leuchtfeuer, bevor der moderne Turm ihn ablöste.
Neuer Leuchtturm oder Mangturm – was ist was?
Die kurze Antwort: Wenn Sie das grün gekuppelte Gebäude mit der Uhr auf der Hafeneinfahrt meinen, ist es der Leuchtturm. Wenn Sie einen schlanken, mittelalterlich wirkenden Steinturm mitten in der Altstadt meinen, ist es der Mangturm. Beide sind sehenswert, aber nur einer davon hat eine Aussichtsplattform, auf die Sie über eine Wendeltreppe steigen können.
Ich habe früher selbst geglaubt, das wären zwei Namen für dasselbe Bauwerk. Falsch. Der Mangturm gehört ins Mittelalter, der Leuchtturm in die Gründerzeit.
Was Sie am Leuchtturm Lindau erwartet
Der Turm steht am Kopf der westlichen Hafeneinfahrt, auf der sogenannten Mole. Seine Basis hat einen Umfang von etwa 24 Metern, die eigentliche Turmhöhe beträgt rund 33 Meter, das Leuchtfeuer reicht bis ungefähr 35 Meter.
Innen geht es über 139 Stufen nach oben, verteilt auf fünf Etagen. Ein Aufzug existiert nicht. Das ist der Punkt, an dem ich ehrlich sein muss: Wenn Sie gehbeeinträchtigt sind, ist die Besteigung nicht realistisch machbar. Die Stufen sind eng, der Aufstieg ist stellenweise steil, und auf der Plattform oben ist wenig Platz.
Die fünf Etagen und was dort zu sehen ist
Auf dem Weg nach oben erwartet Sie keine leere Treppe, sondern ein kleiner Rundgang durch die Geschichte Lindaus und des Bodensees. Auf den einzelnen Etagen finden Sie Informationstafeln und Ausstellungselemente, die Ihnen erklären, wie der Schiffsverkehr auf dem See funktioniert, wie die Hafeneinfahrt aufgebaut ist und welche Rolle der Turm für die Seefahrt hatte.
Was mich beim ersten Besuch am meisten überrascht hat: der Blick durch die kleinen Fenster auf halber Strecke. Von dort sieht man den Hafen auf eine Art, die von unten niemand kennt.
Der technische Kern
Die Optik des Turms arbeitet mit einem parabolischen Spiegel. Seit 1936 läuft der Betrieb elektrisch, vorher war es anders gelöst. Die Kennung des Feuers ist Fl.W.3s, also ein weißes Blinkfeuer, das alle drei Sekunden aufleuchtet. Wenn Sie am Abend am Ufer stehen und zählen, können Sie das selbst überprüfen.
Das Panorama
Von der Plattform aus, sofern Sie den Aufstieg geschafft haben, öffnet sich der Grund, warum der Turm so beliebt ist. Bei klarer Sicht sehen Sie gleichzeitig die österreichische und die Schweizer Seite des Sees und dahinter die Alpen. Ich habe dort oben schon gestanden, als alles in Dunst lag, und ich habe dort gestanden, als das Panorama so scharf war, dass man die Schneegrenze auf den Gipfeln erkennen konnte. Zweiteres ist der Moment, für den man bezahlt.
Leuchtturm Lindau: Öffnungszeiten und Preise
Der Turm ist nicht ganzjährig geöffnet. In den wärmeren Monaten, grob von April bis September, können Sie täglich von 11 bis 18 Uhr hinein. Für 2026 gilt: Die Wiederöffnung erfolgt im März.
Beim Preis gibt es eine klare Staffelung. Vollzahler zahlen 5 Euro. Kinder von 6 bis 15 Jahren kommen für 3 Euro hinein, ebenso Menschen mit einer Schwerbehinderung ab einem Grad der Behinderung von 50. Die Adresse für Ihr Navi lautet Schützingerweg 2, 88131 Lindau.
Kurz gesagt: Für fünf Euro bekommen Sie einen Blick, den Ihnen sonst niemand schenkt.
Lohnt sich der Aufstieg wirklich?
Kommt drauf an, was Sie suchen. Wer einen reinen Museumsturm mit ausgebauter Ausstellung erwartet, wird etwas enttäuscht sein. Wer eine Aussicht will, für die er bereit ist, 139 Stufen auf sich zu nehmen, bekommt genau das.
Ich empfehle, den Besuch nicht in die Mittagszeit zu legen. Vormittags kurz nach Öffnung oder am späten Nachmittag haben Sie deutlich mehr Ruhe auf der Plattform.
Anreise, Parken und was ringsherum liegt
Das Parken ist der Klassiker, bei dem viele Besucher zuerst falsch abbiegen. Rund um die Hafeneinfahrt selbst gibt es praktisch keinen Parkraum, der für einen längeren Aufenthalt taugt. Sie stellen Ihr Auto sinnvollerweise auf einem der Parkplätze etwas außerhalb der Altstadt ab und gehen zu Fuß weiter.
Der Fußweg zur Mole lohnt sich ohnehin, weil der Hafen mit seinen beiden Türmen, dem Löwen und der Promenade einfach die schönste Ecke Lindaus ist.
Was Sie in der Nähe sehen sollten
- Der Bayerische Löwe direkt neben dem Leuchtturm: rund 50 Tonnen schwer, aus Kelheimer Sandstein, 1856 nach einem Entwurf von Johann von Halbig entstanden.
- Die Altstadtinsel mit ihren Gassen, die Sie über die Brücke erreichen.
- Der schon erwähnte Mangturm, ebenfalls am Wasser, aber wehrhaft-mittelalterlich statt maritim-modern.
- Die Hafenpromenade, ideal für einen Spaziergang bei Sonnenuntergang, wenn das Feuer am Turm anfängt zu blinken.
- Für Fotos: von der Brücke aus sehen Sie beide Türme plus den Löwen in einem Bild. Das ist der klassische Lindau-Postkartenwinkel.
Leuchtturm Lindau oder Leuchtturm am Bodensee?
Hier noch eine kleine Einordnung, weil die Begriffe oft gemischt werden. Der Bodensee hat mehrere Leuchttürme und Leuchtfeuer, aber der Lindauer Turm ist der bekannteste und der einzige auf bayerischem Gebiet. Wenn jemand vom "Leuchtturm Bodensee" spricht, meint er in den allermeisten Fällen genau dieses Bauwerk am Lindauer Hafen.
Warum der Turm so oft mit dem Mangturm verwechselt wird
Ich erkläre mir das so: Beide stehen am Wasser, beide haben mit Schifffahrt zu tun, beide sind rund und beide wirken von Weitem ähnlich alt. Der Unterschied liegt im Detail. Der Leuchtturm ist ein Ingenieurbauwerk des 19. Jahrhunderts mit Feuer, Uhr und Aussichtsplattform. Der Mangturm ist ein Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung aus der Zeit um 1230, der nur noch an seine frühere Funktion als Leuchtfeuer erinnert.
Kurz: der eine ist ein Leuchtturm mit Geschichte, der andere ist Geschichte, die früher mal geleuchtet hat.
Häufige Fragen zum Leuchtturm Lindau
Wie hoch ist der Leuchtturm Lindau?
Die Turmhöhe liegt bei rund 33 Metern, das Feuer reicht bis ungefähr 35 Meter. Die Aussichtsplattform befindet sich auf etwa 36 Metern Höhe, erreichbar über 139 Stufen.
Wann wurde der Leuchtturm Lindau gebaut?
Gebaut wurde er zwischen 1853 und 1856, die Inbetriebnahme erfolgte am 4. Oktober 1856. Vorher übernahm der Mangturm die Orientierung für die Schifffahrt.
Wie viele Stufen hat der Leuchtturm Lindau?
Insgesamt 139 Stufen, verteilt auf fünf Etagen. Ein Aufzug ist nicht vorhanden.
Gibt es einen Aufzug im Leuchtturm?
Nein. Der Turm ist ein historisches Bauwerk, und ein barrierefreier Zugang zur Plattform ist nicht gegeben. Wer nicht gut zu Fuß ist, sollte sich das vorher überlegen.
Was bleibt
Ich gehe inzwischen bei jedem Lindau-Besuch einmal hoch, auch wenn ich die Stufen kenne und weiß, was oben kommt. Es ist weniger die Aussicht selbst, die mich zurückbringt. Es ist dieser Moment kurz vor der Plattform, wenn die Treppe endet und plötzlich Wind, Licht und Weite da sind, als hätte jemand eine Tür aufgerissen.
139 Stufen, fünf Euro, drei Länder. Wenn Sie das nächste Mal in Lindau ankommen und den weißen Turm mit der grünen Kuppel sehen, wissen Sie, was er ist. Und vielleicht steigen Sie dann nicht nur für das Foto hoch, sondern bleiben ein paar Minuten länger stehen als geplant.
Genau das ist der Punkt, an dem der Turm aufhört, Kulisse zu sein.